Die meisten Einbrüche in Wien sind Gelegenheitstaten. Der Täter probiert es an mehreren Türen und gibt nach drei bis fünf Minuten auf, wenn er nicht durchkommt. Die wichtigste Einzelmassnahme ist deshalb nicht die Alarmanlage, sondern eine Tür, die genau diese drei bis fünf Minuten länger standhält.
Kurz gefasst
- Gibt es in Wien Förderungen für Einbruchschutz? Stadt Wien hat über die Wohnbeihilfe und die MA 25 immer wieder Aktionsprogramme aufgelegt. Aktuelle Fördermöglichkeiten unter wien.gv.at nachsehen. Für Gewerbebetriebe gibt es WKO-Förderungen.
- Welche Sicherheitsklasse brauche ich für meine Versicherung? Das hängt vom Vertrag ab. Für Standarddeckung reicht meist Klasse 4. Für höhere Deckungssummen wird Klasse 5 oder VdS-zertifizierte Technik verlangt. Im Versicherungsvertrag nachsehen oder beim Versic...
- Wie oft sollte ich den Zylinder wechseln? Nicht nach Zeit, sondern nach Anlass: Schlüsselverlust, Einzug, Wegzug von Mitbewohnern, Einbruchsversuch. Ein moderner Sicherheitszylinder hält 15-25 Jahre bei normaler Nutzung.
Die drei Ebenen wirksamen Einbruchschutzes
- Mechanik zuerst: stabile Tür, widerstandsfähiger Zylinder, Schutzbeschlag. Das ist die Basis - ohne Mechanik bringt alles andere wenig.
- Elektronik als Ergänzung: Alarmanlage, Bewegungsmelder, Kamera. Schreckt ab und alarmiert, ersetzt aber keine stabile Tür.
- Verhalten als Grundlage: Fenster nicht gekippt verlassen, keine Schlüssel-Deposits unter der Fussmatte, Urlaubspost regeln.
Wer die Reihenfolge umdreht und zuerst eine 2.000-Euro-Alarmanlage installiert, während die Tür noch ein Baumarkt-Schloss aus 1995 hat, hat Geld falsch investiert.
Die Mechanik-Checkliste für Wohnungstüren
| Massnahme | Kosten (ca.) | Wirkung |
|---|---|---|
| Sicherheitszylinder Klasse 5/6 | 100-250 € | Schutz gegen Picking, Nachschliessen |
| Schutzbeschlag mit Zylinderabdeckung | 80-200 € | Schutz gegen Kernziehen, Aufbohren |
| Bandseitensicherung | 40-100 € | Verhindert Aushebeln an der Scharnierseite |
| Zusatzschloss mit Sperrbügel | 60-150 € | Zweite Schliessebene, sichtbare Abschreckung |
| Panzerriegel / Querriegelschloss | 250-600 € | Sehr hoher Widerstand, wirkt über gesamte Türbreite |
| Einbruchhemmende Tür RC2/RC3 | 1.500-4.000 € | Gesamtlösung beim Türtausch - empfohlen bei Altbautüren |
Kosten inklusive Einbau durch Fachbetrieb. Bei Selbsteinbau nur Materialpreis.
Was Polizei und Versicherung empfehlen
Die Kriminalpolizeiliche Beratung in Wien und die meisten Hausratversicherer empfehlen für durchschnittliche Wohnungen eine Basis-Ausstattung mit drei Elementen:
- Sicherheitszylinder mit Ziehschutz und Aufbohrschutz (Klasse 5 oder 6 nach EN 1303)
- Schutzbeschlag mit integrierter Zylinderabdeckung - verhindert das Herausziehen
- Bandseitensicherung an der Scharnierseite - verhindert das Aushebeln
Diese Basis kostet inklusive Einbau etwa 220-450 Euro. Ein Gelegenheitstäter bricht daran mit hoher Wahrscheinlichkeit ab.
Fenster und Balkontüren - der unterschätzte Eingang
Ein grosser Teil der Einbrüche in Wien passiert nicht durch die Eingangstür, sondern durch Fenster und Balkontüren im Erdgeschoss oder über Dächer. Dort lohnen sich:
- Abschliessbare Fenstergriffe (ab 25 Euro) - Fenster kann von aussen nicht durch Glasbruch plus Griffbetätigung geöffnet werden
- Pilzkopfverriegelungen - bei neuen Fenstern standardmässig, bei alten nachrüstbar (150-400 Euro pro Fenster)
- Einbruchhemmende Verglasung P4A oder höher - Sicherheitsglas, das mindestens 30 Sekunden standhält
- Rollläden mit Hochschiebesicherung - sinnvolle Ergänzung im Erdgeschoss
Elektronik - wo sie sich lohnt
Alarmanlage
Eine echte, zertifizierte Alarmanlage (keine Billig-Chinaware) mit Aufschaltung auf eine Notrufzentrale (NSL) kostet für eine 80-Quadratmeter-Wohnung 1.500-3.500 Euro inklusive Installation. Monatliche Aufschaltung: 20-50 Euro. Sinnvoll bei überdurchschnittlichem Einbruchsrisiko oder hochwertigem Inventar.
Kameras
Sichtbar angebrachte, echte Kameras mit Aufzeichnung wirken abschreckend. Attrappen erkennt jeder Gelegenheitstäter in Sekunden. Ab 150 Euro pro Kamera, Cloud-Aufzeichnung 3-15 Euro monatlich. Wichtig: DSGVO-konforme Platzierung - nur das eigene Grundstück filmen.
Smart Home
Anwesenheitssimulation durch Smart-Plugs, die Lampen ansteuern, ist mit minimalem Aufwand umsetzbar und einer der kostengünstigsten Abschreckungsmechanismen für Urlaubsabwesenheit. Ab 30 Euro pro Steckdose.
Was Sie NICHT brauchen
- Kamera-Attrappen - wirken nicht, werden in Sekunden erkannt
- Hunde-Aufkleber ohne Hund - alte Masche, wirkungslos
- Billige "Smart Locks" aus Online-Shops - oft mit dokumentierten Sicherheitslücken
- Alarmanlage ohne Aufschaltung - wenn niemand reagiert, ist es nur ein lauter Ton
- Schlüssel unter der Fussmatte, im Blumentopf, auf dem Türrahmen - Einbrecher kennen jede dieser Verstecke