Wien ist im Vergleich zu anderen europäischen Grossstädten keine Einbruchshochburg. Die Zahlen zeigen aber: wer denkt, 'mir passiert das schon nicht', liegt statistisch ungünstig. Die Bezirke mit den meisten Einbrüchen und die häufigsten Einstiegsmethoden geben konkrete Hinweise, wo Einbruchschutz am meisten bringt.
Kurz gefasst
- Welcher Bezirk hat die wenigsten Einbrüche? In absoluten Zahlen die kleinen Innenbezirke (1., 8., 9.). Pro Wohnung betrachtet sind die Innenstadt und dicht bebaute, belebte Lagen mit gutem Schutz meist sicherer als ruhige Einfamilienhausviertel...
- Gibt es in Wien sogenannte 'Einbruchsserien'? Ja. Oft agieren Banden oder Gelegenheitstäter gezielt in einzelnen Bezirken über Wochen. Bei solchen Serien informiert die Polizei meist über örtliche Medien und Bezirksämter.
- Wo finde ich die aktuelle Wiener Einbruchsstatistik? Auf bundeskriminalamt.at ist die jährliche Kriminalstatistik veröffentlicht. Die Landespolizeidirektion Wien kommuniziert aktuelle Lagebilder über ihre Pressestelle.
Die Langzeitentwicklung
Das Bundeskriminalamt und die Landespolizeidirektion Wien veröffentlichen jährlich die Kriminalstatistik. Der langfristige Trend: seit 2010 sinkt die Zahl der Wohnungs- und Hauseinbrüche in Österreich deutlich - verbesserte Sicherheitstechnik, digitale Fahndung und Gesetzesverschärfungen zeigen Wirkung. In den Jahren 2020 bis 2022 sanken die Zahlen pandemiebedingt zusätzlich - mehr Menschen zu Hause, weniger Gelegenheiten.
Seit 2023 ziehen die Zahlen wieder leicht an, bleiben aber deutlich unter dem Niveau der 2010er Jahre.
Welche Bezirke besonders betroffen sind
Die absolute Zahl der Einbrüche ist in den bevölkerungsreichen Flächenbezirken am höchsten - aber das sagt wenig über das tatsächliche Risiko pro Haushalt aus. Relevanter ist die Rate pro 1.000 Wohnungen.
Historisch gesehen sind in Wien folgende Bezirke traditionell stärker betroffen:
- Flächenbezirke mit Einfamilienhaus-Anteil (13., 19., 22., 23.) - höhere Einzelhaus-Dichte, längere Fluchtwege
- Bezirke mit hohem Anteil älterer Bausubstanz (15., 16.) - schwächere Originalschlösser
- Grenzbezirke zu Niederösterreich (21., 22., 23.) - bei professionellen Banden mit Einsatzfahrzeug
Die Innenstadtbezirke (1.-9.) sind seltener betroffen - mehr Passantenverkehr, moderne Türen, oft Dienstleister oder Concierge im Haus.
Wann und wie eingebrochen wird
Tageszeit
Entgegen dem Klischee sind die meisten Wohnungseinbrüche in Wien nicht nachts, sondern am späten Nachmittag. Zwischen 16 und 20 Uhr werden rund 40 Prozent aller Einbrüche begangen - die Dämmerung erschwert Sichtkontakte, die Bewohner sind häufig noch bei der Arbeit.
Jahreszeit
Einbruchsgefahr ist saisonal: Herbst und Winter bringen traditionell mehr Fälle (frühere Dämmerung, längere Urlaubsabwesenheiten), im Sommer steigen die Fensterinbrüche im Erdgeschoss (gekippte Fenster bei Hitze).
Methoden
In Wiener Wohnanlagen sind die drei häufigsten Einstiegsmethoden:
- Aufhebeln der Wohnungstür mit Schraubenzieher oder Brecheisen - bei schlecht gesicherten Türen in unter einer Minute möglich
- Ziehangriff auf den Zylinder - der Zylinder wird mit einer Spezialschraube herausgezogen, das Schloss lässt sich danach einfach drücken
- Einstieg durch gekippte Fenster - gekippt gilt rechtlich wie offen, Einbruch oft ohne jeden Schaden möglich
Was die Statistik für Sie bedeutet
Aus den Zahlen lassen sich vier praktische Regeln ableiten:
- Sicherheitszylinder mit Ziehschutz eliminiert die häufigste Angriffsmethode direkt. Kosten 100-250 Euro, Wirkung hoch.
- Schutzbeschlag macht das Aufhebeln schwierig - zweithäufigste Methode erledigt.
- Fenster zu statt gekippt verlassen - besonders im Erdgeschoss. Fensterhebersicherung nachrüsten.
- Urlaub organisieren: Post abholen lassen, Jalousien mit Zeitschaltuhr, Nachbarn informieren - Einbrecher beobachten oft tagelang, bevor sie zuschlagen.
Wie gross ist das statistische Risiko für Sie?
Die österreichweite Einbruchsrate in Wohnungen liegt bei etwa 1-2 pro 1.000 Wohnungen und Jahr. Das klingt niedrig, bedeutet aber:
- In einem Mehrparteienhaus mit 50 Wohnungen ist statistisch alle 10-20 Jahre mit einem Einbruch zu rechnen.
- In einer Einfamilienhaus-Siedlung mit 30 Häusern ist statistisch alle 15-25 Jahre mit einem Einbruch zu rechnen - aber in einer Einbruchswelle (Gelegenheitstäter, Banden) kann das gebündelt auftreten.
- Für den einzelnen Haushalt liegt das Lebensrisiko, einmal Opfer zu werden, bei etwa 5-10 Prozent.
Der finanzielle Schaden pro Einbruch liegt im Median bei 2.000-5.000 Euro - deutlich mehr als die Investition in guten Einbruchschutz.