Ob dieser Moment 90 oder 250 Euro kostet, entscheidet eine einzige Frage: War die Tür abgesperrt oder nur zugefallen? Ist sie bloß ins Schloss gefallen, spielt der innen steckende Schlüssel überhaupt keine Rolle. Wurde abgesperrt, blockiert er bei den meisten Zylindern jeden Öffnungsversuch von außen - und genau dann wird es teuer.
Kurz gefasst
- Kann ein Aufsperrdienst öffnen, wenn innen der Schlüssel steckt? Ja. Bei nur zugefallener Tür läuft die Öffnung über die Falle, der steckende Schlüssel stört dabei nicht. Bei abgesperrter Tür wird mit Spezialwerkzeug durch den Schlüsselkanal nach dem inneren Schlüs...
- Woran erkenne ich, ob mein Zylinder eine Not- und Gefahrenfunktion hat? Stecken Sie innen einen Schlüssel ins Schloss und sperren Sie mit dem Zweitschlüssel von außen auf. Funktioniert das, ist eine Not- und Gefahrenfunktion vorhanden. Sie gibt es nur bei Doppelzylindern,...
- Kostet die Öffnung mehr, wenn der Schlüssel innen steckt? In der Regel ja, weil eine andere Technik nötig ist. Muss der Zylinder gezogen oder aufgebohrt werden, kommt der Ersatzzylinder dazu - ab etwa 30 Euro für einen Standardzylinder, deutlich mehr bei Sic...
Zugefallen oder abgesperrt - daran hängt alles
Eine Wohnungstür kann auf zwei völlig verschiedene Arten zu sein. Die Falle ist die schräge Metallzunge, die beim Zuziehen von selbst ins Schließblech schnappt. Der Riegel ist der massive Bolzen, der erst herausfährt, wenn Sie den Schlüssel drehen. Für die Öffnung sind das zwei verschiedene Welten.
Nur zugefallen: Es hält allein die Falle. Der Zylinder ist an der Verriegelung gar nicht beteiligt - und damit ist auch egal, dass innen ein Schlüssel steckt. Geöffnet wird über die Falle, nicht über das Schloss.
Abgesperrt: Der Riegel steht vor, und der lässt sich ausschließlich über den Zylinder zurückziehen. Steckt innen ein Schlüssel, ist der Zylinderkern besetzt. Von außen kommt kein zweiter Schlüssel mehr hinein.
Die Erinnerung an die letzten Sekunden vor dem Zufallen entscheidet also über den Aufwand: Haben Sie den Schlüssel noch einmal umgedreht, oder ist die Tür einfach ins Schloss gezogen? Ein zweiter Anhaltspunkt: Drücken und ziehen Sie kurz am Türblatt. Eine nur zugefallene Tür hat meist etwas Spiel, eine abgesperrte sitzt bockig fest.
Warum der steckende Schlüssel überhaupt blockiert
Ein Profilzylinder hat einen drehbaren Kern, in den der Schlüssel eingeführt wird. Außen- und Innenseite greifen bei der klassischen Bauform auf denselben Mechanismus zu. Steckt innen ein Schlüssel, hält er die Stiftzuhaltungen in Position und besetzt den Kern - der Kanal von außen führt ins Leere.
Das ist kein Defekt, sondern jahrzehntelang gewollte Konstruktion: Wer innen absperrt und den Schlüssel stecken lässt, sollte damit von außen nicht überstimmt werden können. Für den Einbruchschutz ist das sinnvoll. Für den Moment, in dem Sie mit Einkaufssackerln im Stiegenhaus stehen, ist es ein Problem.
Auch Aufsperrwerkzeug hilft hier nicht weiter. Picking setzt voraus, dass die Stifte frei beweglich sind und der Kern zugänglich ist. Beides ist nicht der Fall, solange innen ein Schlüssel steckt. Wer Ihnen am Telefon etwas anderes verspricht, verkauft Ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit gleich das Aufbohren mit.
Not- und Gefahrenfunktion: der Zylinder, bei dem es trotzdem geht
Es gibt eine Bauform, die genau dieses Problem löst. Zylinder mit Not- und Gefahrenfunktion - im Fachhandel als N+G oder NGF abgekürzt - haben eine Kupplung zwischen Zylinderkern und Schließnase. Dadurch lässt sich der Zylinder von außen bedienen, auch wenn auf der Gegenseite ein Schlüssel steckt. Hersteller wie ABUS erklären die Mechanik im Detail; angeboten wird die Funktion ausschließlich bei Doppelzylindern, also bei Zylindern, die auf beiden Seiten einen Schlüsselkanal haben.
Der Haken: Die Funktion ist kein Standard. Viele Wohnungen sind mit einfachen Zylindern ohne Kupplung ausgestattet, gerade wenn beim letzten Tausch nur auf den Preis geschaut wurde. Bei mehreren österreichischen Profilfamilien gehört sie zur Serienausstattung, bei anderen ist sie eine bewusst zu bestellende Variante.
Wer einen Knaufzylinder hat, kennt das Problem gar nicht: Innen sitzt statt des Schlüsselkanals ein fester Drehknauf, es kann also nichts stecken bleiben. Dafür gilt der Knauf als heikel, sobald die Tür Glasfelder oder einen breiten Briefschlitz hat - dann ist er von außen erreichbar.
Was Sie selbst versuchen dürfen
Bevor Sie zum Telefon greifen, sind zwei Versuche legitim - beide dauern keine zwei Minuten.
- Bei nur zugefallener Tür: Prüfen Sie, ob die Falle zugänglich ist. Bei älteren Türen mit schmalem Spalt und ohne Rückhaltesperre lässt sie sich mit einem stabilen Stück Plastik zurückdrücken, während Sie das Türblatt leicht zur Seite drücken. Bei modernen Türen mit dichtem Falz oder gefederter Sperre klappt das nicht - dort verbiegen Sie nur die Karte.
- Bei senkrecht stehendem Bart: Steht der Schlüssel innen exakt senkrecht, lässt er sich in seltenen Fällen mit einem passenden Zweitschlüssel vorsichtig aus dem Kanal schieben. Mit ruhiger Hand, ohne Werkzeug, ohne Kraft. Fällt er innen zu Boden, ist der Kern frei.
Und der Klassiker aus dem Video-Portal: Aufhebeln mit Brecheisen oder Stemmeisen. Das beschädigt Zarge und Türblatt, kostet ein Vielfaches der Öffnung, und im Stiegenhaus ruft zu Recht jemand die Polizei.
Was der Aufsperrdienst in dieser Lage macht
Der erste Handgriff eines erfahrenen Monteurs gilt nicht dem Zylinder, sondern der Frage aus dem ersten Abschnitt. Ist die Tür nur zugefallen, geht die Öffnung über die Falle und der innen steckende Schlüssel bleibt schlicht unbeachtet. Das dauert wenige Minuten und hinterlässt keinen Schaden.
Ist abgesperrt, gibt es zwei Wege:
- Der zerstörungsfreie Versuch. Mit Spezialwerkzeug wird durch den Schlüsselkanal von außen nach dem innen steckenden Schlüssel gegriffen und dieser mitgedreht. Das funktioniert, solange der Bart genug Spiel lässt und der Zylinder nicht zu eng gebaut ist.
- Der zerstörende Weg. Kernziehen oder Aufbohren. Der Zylinder ist danach Schrott und muss ersetzt werden - Material ab etwa 30 Euro für einen Standardzylinder, deutlich mehr bei Sicherheitszylindern mit Bohrschutz.
Ein Anruf, der Geld spart, klingt so: abgesperrt oder zugefallen, Schlüssel steckt innen, Marke am Zylinderkopf abgelesen, Bezirk. Mit diesen vier Angaben kann Ihnen ein seriöser Betrieb am Telefon einen belastbaren Fixpreis nennen, statt vor Ort neu zu rechnen. Wenn Sie jetzt eine Türöffnung in Wien brauchen, nennen Sie diese vier Punkte gleich im ersten Satz.
Bestehen Sie außerdem darauf, dass der zerstörungsfreie Versuch tatsächlich stattfindet. Wer nach 90 Sekunden zur Bohrmaschine greift, spart sich Arbeit auf Ihre Rechnung. Wie Sie diesen und ähnliche Punkte im Einsatz im Blick behalten, steht in der Schritt-für-Schritt-Anleitung für Aussperrungen.
Der Wiener Sonderfall: Altbautür und Kastenschloss
In Gründerzeithäusern steht an vielen Wohnungen noch das originale Kastenschloss - das aufgeschraubte Schloss mit dem großen Buntbartschlüssel. Hier gilt der ganze Abschnitt über die Not- und Gefahrenfunktion nicht, weil gar kein Profilzylinder verbaut ist.
Praktisch macht das einen Unterschied in beide Richtungen. Der große Schlüsselkanal eines Kastenschlosses lässt einem Monteur mehr Spielraum, den innen steckenden Schlüssel zu erreichen. Gleichzeitig bietet ein solches Schloss kaum Widerstand gegen einen Einbruchsversuch, und bei doppelflügeligen Wiener Türen kommt der schwache Punkt in der Mitte der beiden Flügel dazu.
Wer ohnehin gerade über einen Tausch nachdenkt, hat zwei übliche Wege: den Einbau eines Zylinderschlosses in die bestehende Tür oder ein zusätzliches Querriegelschloss, das beide Flügel fasst. Was davon zu welcher Tür passt und was es kostet, steht im Artikel zum Schlossaustausch in Wien.
Damit es nicht wieder passiert
- Beim nächsten Zylindertausch die Not- und Gefahrenfunktion mitbestellen. Der Aufpreis fällt gegenüber einer einzigen Notöffnung nicht ins Gewicht, und der Fall kann sich nicht wiederholen.
- Den Schlüssel innen nicht stecken lassen. Ein Haken neben der Tür löst das Problem ohne Umbau und nimmt Einbrechern zugleich die Möglichkeit, den Zylinder von außen zu blockieren.
- Zweitschlüssel deponieren - bei Nachbarn, in der Arbeit, bei Familie im Bezirk. Kein Schlüssel unter der Fußmatte und keiner im Blumentopf, beide Verstecke kennt jeder.
- Zylinderlänge prüfen. Steht der Zylinder mehr als drei Millimeter über den Beschlag hinaus, ist er mit einer Zange greifbar. Welche Bauarten hier auseinandergehen, zeigt der Überblick zu Sicherheitsschlössern und ihren Klassen.
Wer vor einer Entscheidung steht und niemanden mit Verkaufsinteresse fragen möchte: Der kriminalpolizeiliche Beratungsdienst der Landespolizeidirektion Wien in der Wasagasse 22 im 9. Bezirk berät zu Zylindern und Beschlägen, erreichbar unter 01 31310 37252.