Ob ein Nachschlüssel nach ein paar Minuten am Tresen fertig ist oder erst nach einer Bestellung beim Hersteller, lässt sich meist am Schlüssel selbst ablesen. Einfache Zacken- und Buntbartschlüssel werden vom Rohling kopiert. Gehört der Schlüssel zu einem geschützten System, braucht es die Sicherungskarte - und die liegt in einem Wiener Zinshaus oft gar nicht bei Ihnen.
Kurz gefasst
- Darf ich als Mieter meinen Wohnungsschlüssel nachmachen lassen? Für einen frei kopierbaren Schlüssel braucht der Schlüsseldienst keine Karte. Grenzen können Mietvertrag oder Hausordnung ziehen. Beim Auszug gehen alle Schlüssel zurück, auch die Kopien.
- Was tun, wenn die Sicherungskarte bei der Hausverwaltung liegt? Fragen Sie dort an. Die Verwaltung bestellt den Schlüssel selbst oder stellt Ihnen eine Vollmacht für den Fachhändler aus. Ohne Karte oder Vollmacht wird ein geschützter Schlüssel nicht nachgefertigt.
- Wie lange dauert es, einen Schlüssel nachmachen zu lassen? Ein frei kopierbarer Schlüssel ist meist in wenigen Minuten fertig. Geschützte Schlüssel fertigt der Hersteller oder ein autorisierter Händler - fragen Sie vorab nach Lieferzeit und Preis.
Drei Schlüssel, drei Wege

Wie schnell und wo eine Kopie entsteht, hängt nicht am Schloss in der Tür, sondern am Profil des Schlüssels. In Wiener Haushalten begegnen einem vor allem drei Bauarten.
Der Buntbartschlüssel mit rundem Schaft und flachem Bart sperrt die alten Kastenschlösser in Gründerzeitwohnungen, viele Zimmertüren und manche Kellertür. Seine Form ist einfach, kopiert wird nach Vorlage.
Der gezackte Profilschlüssel gehört zum klassischen Profilzylinder. Ist das Profil frei erhältlich, sucht der Betrieb den passenden Rohling und fräst die Zacken nach dem Original nach. Das ist der Normalfall bei älteren und einfachen Wohnungstüren.
Der geschützte Schlüssel sieht oft anders aus: Bohrmulden statt Zacken, ein Wendeprofil ohne Oben und Unten, bewegliche Elemente im Schaft. Seine Rohlinge gibt es nicht frei zu kaufen. Nachgefertigt wird er beim Hersteller oder bei dessen autorisierten Händlern, und nur gegen Vorlage der Sicherungskarte.
| Schlüssel | Typisches Schloss | Was Sie mitbringen | Wer ihn anfertigt |
|---|---|---|---|
| Buntbartschlüssel | Kastenschloss, Zimmertür, alte Kellertür | den Schlüssel | Schlüsseldienst, meist sofort |
| Profilschlüssel ohne Schutz | einfacher Profilzylinder | den Originalschlüssel | Schlüsseldienst, meist sofort |
| Schlüssel mit Sicherungskarte | Sicherheitszylinder an der Wohnungstür | Karte und Ausweis, sonst eine Vollmacht des Karteninhabers | Hersteller oder autorisierter Fachhändler |
| Schlüssel einer Schließanlage | Haustor, Keller und Müllraum mit einem Schlüssel | Auftrag oder Vollmacht der Hausverwaltung | Fachhändler der Anlage, beauftragt über die Verwaltung |
Die Sicherungskarte gehört dem, der den Zylinder gekauft hat
Die Karte im Scheckkartenformat ist der Berechtigungsnachweis für Nachschlüssel und weitere Zylinder derselben Anlage. Sie gehört zu jedem kartengeschützten Zylinder und zu jeder solchen Schließanlage und wird beim Kauf übergeben. Wer sie vorlegt, kann nachbestellen. Wer sie nicht hat, kann es nicht - ganz gleich, wie viele Schlüssel er in der Hand hält.
Für Mieter in Wien hat das eine praktische Folge. Hat die Eigentümerseite den Zylinder an der Wohnungstür oder die Schließanlage des Hauses gekauft, liegt die Karte dort oder bei der Hausverwaltung. Einen weiteren Schlüssel bekommen Sie dann nur über diesen Weg: Sie fragen bei der Verwaltung an, und die bestellt selbst oder stellt Ihnen eine Vollmacht aus. Planen Sie dafür Zeit ein, vor allem wenn eine Pflegekraft, ein Kind im Schulalter oder ein neuer Mitbewohner einen Schlüssel braucht.
Haben Sie den Zylinder selbst gekauft, ist die Karte Ihre. Behandeln Sie sie wie ein Dokument:
- Nicht am Schlüsselbund und nicht in der Lade beim Eingang, sondern dort, wo Reisepass und Verträge liegen.
- Nicht fotografieren und nicht verschicken. Auf ihr stehen die Daten, über die der Hersteller Ihre Anlage zuordnet.
- Nie zusammen mit einem Schlüssel aus der Hand geben, auch nicht an Handwerker. Wer beides hat, kann so viele Schlüssel bestellen, wie er will.
Ist die Karte verloren, führt der erste Weg zu dem Betrieb, der den Zylinder eingebaut hat. Ob es Ersatz gibt, entscheidet der Hersteller. Gibt es keinen, bekommen Sie für diesen Zylinder auch keine weiteren Schlüssel mehr - dann hilft nur ein neuer Zylinder mit neuer Karte.
Warum der Kopierschutz ein Ablaufdatum hat
Dass ein geschützter Schlüssel ohne Karte nicht nachgefertigt wird, beruht bei vielen Systemen auf einem Patent auf das Schlüsselprofil oder die Mechanik. Patente laufen aber nicht ewig. In Österreich beträgt ihre Höchstdauer laut § 28 Patentgesetz 20 Jahre ab dem Anmeldetag.
Die Rechnung dahinter lohnt sich vor jedem Kauf:
- Ein Zylindersystem, dessen Patent 2008 angemeldet wurde, ist spätestens 2028 frei.
- Wer 2015 einen Zylinder dieses Systems eingebaut hat, bekam also höchstens 13 Jahre Kopierschutz, nicht 20.
- Ein Zylinder, der heuer eingebaut wird und auf einem 2010 angemeldeten Patent beruht, verliert den rechtlichen Schutz schon 2030.
Nach dem Ablauf hindert das Patent niemanden mehr daran, passende Rohlinge herzustellen. Ob es jemand tut, ist eine andere Frage - aber auf die Karte als Sperre sollten Sie sich dann nicht mehr verlassen. Fragen Sie deshalb beim Kauf eines Sicherheitszylinders nicht nur nach der Klasse, sondern auch danach, bis wann das Profil geschützt ist. Was ein Zylinder darüber hinaus gegen Aufbohren und Ziehen leisten muss, erklärt der Überblick über Sicherheitsschlösser und ihre Klassen.
Mietwohnung: Jeder Schlüssel geht beim Auszug zurück
Wie viele Schlüssel Sie bei der Übergabe bekommen und ob Kopien erlaubt sind, regeln vor allem Mietvertrag und Hausordnung. Eindeutig ist das Ende: Die Wohnung wird zurückgestellt, indem Sie die Schlüssel übergeben. Die kostenlose MieterHilfe von Wohnservice Wien hält ausdrücklich fest, dass es nicht reicht, die Schlüssel in der unversperrten Wohnung liegen zu lassen. Zurückzustellen ist die Wohnung so, wie Sie sie übernommen haben - so steht es in § 1109 ABGB.
Im Gemeindebau ist der Umgang mit Schlüsseln schriftlich geregelt. Die Hausordnung von Wiener Wohnen verlangt drei Dinge:
- Beim Auszug sind alle Schlüssel abzugeben, sonst werden Schlösser und Schlüssel auf Kosten der Mieter erneuert.
- Verlorene oder beschädigte Schlüssel für Wohnung, Haustor, Postkasten oder Keller ersetzen Mieter auf eigene Kosten.
- Wer länger nicht in der Wohnung ist, teilt Wiener Wohnen schriftlich mit, wo Wohnungs- und Kellerschlüssel liegen.
Bei privaten Vermietern haften Mieter für Schäden aus einer nicht ordnungsgemäßen Rückgabe nach dem allgemeinen Schadenersatzrecht, das ein Verschulden voraussetzt. Eine verschollene Kopie wird dort zum Streitpunkt, sobald die Eigentümerseite ihretwegen den Zylinder tauschen lässt. Wer über Jahre Schlüssel für Babysitter, Eltern und die Nachbarin hat nachmachen lassen, sollte deshalb wissen, wo jeder einzelne heute ist.
Immer vom Original kopieren
Jeder nachgemachte Schlüssel übernimmt die Abweichungen seiner Vorlage, und beim Fräsen kommt eine eigene kleine Ungenauigkeit dazu. Wer von einer Kopie kopiert, addiert beides. Bei einem neuen Zylinder fällt das kaum auf. Bei einem Zylinder, der seit Jahrzehnten in einer Altbautür sitzt, hakt die Kopie einer Kopie deutlich schneller.
Daraus folgen drei Gewohnheiten:
- Das Original zum Nachmachen mitnehmen, nicht den abgenutzten Alltagsschlüssel und schon gar nicht eine frühere Kopie. Einen Originalschlüssel bewahren Sie am besten unbenutzt auf.
- Die Kopie sofort testen, und zwar an jedem Schloss, das sie sperren soll: Wohnungstür, Haustor, Postkasten. Am besten noch am selben Tag, solange der Betrieb nachbessern kann.
- Nichts mit Gewalt. Eine Kopie, die sich nur schwer dreht, ist ein Kandidat dafür, irgendwann im Zylinder abzubrechen. Zurückbringen kostet weniger als jede Notöffnung.
Ein Foto kann reichen
Dass ein Schlüssel nicht in fremde Hände gehört, weiß jeder. Weniger bekannt ist, dass er auch nicht vor fremde Kameras gehört. Ein Team der University of California San Diego hat 2008 auf der Fachkonferenz ACM CCS gezeigt, dass sich die Einschnitte eines Schlüssels aus Fotos auslesen und damit nachfertigen lassen. Die Arbeit trägt den sprechenden Titel Reconsidering Physical Key Secrecy: Teleduplication via Optical Decoding.
Für den Alltag heißt das:
- Keine Fotos vom Schlüsselbund in sozialen Netzwerken oder Kleinanzeigen - auch nicht das stolze Bild vom Schlüssel zur ersten eigenen Wohnung.
- Kein Anhänger mit Name, Adresse oder Türnummer. Ein Schlüssel ohne Adresse ist für einen Finder wertlos.
- Schlüssel nicht stundenlang offen auf dem Tisch im Lokal oder im Büro liegen lassen.
Bei geschützten Profilen bremst die Karte auch den Fotodieb, denn ohne passenden Rohling hilft ihm die Vermessung wenig. Bei frei erhältlichen Profilen fehlt diese Hürde.
Wann Nachmachen die falsche Antwort ist
Ein Nachschlüssel löst das Problem zu weniger Schlüssel. Das Problem zu vieler löst er nicht. In drei Fällen ist ein neuer Zylinder die bessere Wahl:
- Nach dem Einzug, wenn niemand sagen kann, wie viele Schlüssel Vormieter, Handwerker und frühere Mitbewohner noch haben. Als Mieter heben Sie den alten Zylinder samt Schlüsseln für die Rückgabe auf.
- Nach einem Verlust mit Adresse, etwa wenn der Schlüsselbund zusammen mit Ausweis oder Meldezettel in der Tasche war.
- Wenn ein Schlüssel einer Schließanlage fehlt. Dann betrifft der Verlust das ganze Haus, und die Entscheidung liegt bei der Hausverwaltung.
Wie der Tausch abläuft und warum die Länge des neuen Zylinders so wichtig ist, zeigt der Beitrag zum Schlossaustausch in Wien. Für den Keller gibt es einen eigenen Weg, beschrieben unter Kellerabteil-Schlüssel verloren. Und wer den Nachschlüssel vor allem als Reserve will: Ein Zweitschlüssel bei einer Nachbarin im Haus erspart den Anruf beim Aufsperrdienst, und was zu tun ist, wenn es doch so weit kommt, steht in der Anleitung Ausgesperrt - was tun?