Im Mehrparteienhaus kommen Einbrecher meist durch die Wohnungstür - ausgenommen Wohnungen im Erdgeschoß, mit Balkon in den unteren Stockwerken oder mit Dachterrasse. Für diese Tür gibt es zwei Wege: eine geprüfte Sicherheitstür um mehrere tausend Euro oder eine Nachrüstung der bestehenden Tür. Welcher passt, entscheidet die Tür, die schon da ist.
Kurz gefasst
- Welche Widerstandsklasse braucht eine Wohnungstür? Für Privatwohnungen gilt Klasse 3 nach EN 1627 bzw. ÖNORM B 5338 in der Regel als ausreichend. Sie muss fünf Minuten gegen einen Angriff mit Kuhfuß standhalten, Klasse 2 drei Minuten.
- Reicht ein Zusatzschloss statt einer Sicherheitstür? Bei einer soliden Tür ja: Querriegel in Hüfthöhe plus Bandsicherungen, bei Doppelflügeltüren ein Stangenschloss. Kastenzusatzschlösser fielen im VKI-Test alle durch, eine Leichtbautür bleibt unsicher.
- Darf ich als Mieter eine Sicherheitstür einbauen? Ja, nach schriftlicher Anzeige an die Vermieterseite, im Gemeindebau erst nach Genehmigung durch Wiener Wohnen. Im Altbau kann beim Auszug ein Ersatzanspruch nach § 10 MRG bestehen.
Erst die Tür ansehen, dann kaufen

Ein Zusatzschloss ist nur so stark wie das Türblatt, in das es geschraubt wird. Die Konsumentenschützer des VKI bringen es auf den Punkt: Eine leichte Röhrenspantür wird auch durch den besten Riegel nicht sicherer, ein kräftiger Tritt genügt. Bevor Sie über Schlösser nachdenken, gehört deshalb die Tür selbst auf den Prüfstand.
- Das Türblatt. Massivholz mit Metalleinlagen oder Stahl hält einem Angriff stand, ein leichtes Türblatt mit Röhrenspan- oder Wabenkern nicht. Fühlt sich die Tür beim Öffnen auffallend leicht an, spricht das für einen Leichtbau.
- Der Türstock. Die Zarge muss fest im Mauerwerk sitzen, ohne Spalt, in dem ein Brecheisen Platz findet. Eingeschäumte Zargen lassen sich aushebeln.
- Die Bandseite. Scharniere ohne Sicherung sind die zweite Schwachstelle neben dem Schloss. Hier wird gehebelt, wenn die Schlossseite hält.
Aus diesen drei Punkten ergibt sich, welcher Weg sich lohnt:
| Ihre Tür | Sinnvoller Weg |
|---|---|
| Leichtes Türblatt oder lockerer Türstock | Sicherheitstür, Nachrüsten bringt hier nichts |
| Solide einflügelige Tür | Querriegelschloss in Hüfthöhe, Bandsicherungen, Zylinder mit Schutzbeschlag |
| Solide zweiflügelige Altbautür | Vertikalstangenschloss plus Bandsicherungen, oder eine zweiflügelige Sicherheitstür |
| Nur ein Kastenzusatzschloss geplant | keine Lösung, im Test war kein Modell einbruchhemmend |
Was die Widerstandsklasse aussagt
Eine Sicherheitstür ist kein Werbebegriff, sondern ein geprüftes Bauteil. Geprüft wird nach der europäischen Norm EN 1627, in Österreich ergänzt durch die ÖNORM B 5338. Die Tür bekommt eine Widerstandsklasse, die angibt, wie lange sie einem Angriff mit bestimmtem Werkzeug standhält. Ältere Unterlagen sprechen von WK, neuere von RC - Baunetz Wissen listet die Klassen RC1N, RC2N und RC2 bis RC6.
| Klasse | Erwarteter Angriff | Widerstandszeit |
|---|---|---|
| 1 | körperliche Gewalt, Dagegentreten | keine Zeitvorgabe |
| 2 | Schraubenzieher, Zange, Keil | 3 Minuten |
| 3 | zweiter Schraubenzieher, Kuhfuß | 5 Minuten |
| 4 | Axt, Stemmeisen, Akku-Bohrmaschine | 10 Minuten |
| 5 | Bohrmaschine, Stichsäge, Winkelschleifer | 15 Minuten |
| 6 | leistungsfähige Profiwerkzeuge | 20 Minuten |
Quelle: Kaufberatung Sicherheitstüren des VKI, Klassen in der damaligen WK-Zählung.
Für eine Privatwohnung gilt Klasse 3 laut VKI in aller Regel als ausreichend. Fünf Minuten mit dem Kuhfuß sind für viele Täter bereits zu lang, weil das Risiko steigt, ertappt zu werden. Bei einem Beratungstest des VKI in Wien und Tirol rieten fast alle Anbieter zu dieser Klasse.
Die Klasse gilt für das ganze Element im versperrten Zustand: Türblatt, Zarge, Beschläge und Schloss zusammen. Ein Türblatt mit Zertifikat in einer alten, ungesicherten Zarge ist keine Tür der Klasse 3. Lassen Sie sich Norm und Klasse deshalb schriftlich bestätigen.
Woran Sie eine gute Sicherheitstür erkennen
Einbrecher setzen dort an, wo eine Tür nachgibt: an den Bändern, am Schloss, an der Füllung oder am Zylinder. Eine Sicherheitstür muss an jeder dieser Stellen Widerstand leisten, sonst ist die teure Klasse auf dem Papier wertlos. Der VKI nennt dafür konkrete Mindestwerte:
- Stahlzarge aus mindestens 1,5 Millimeter starkem Stahl, mit Verstärkungen bei Schloss und Bändern, fest im Mauerwerk verankert.
- Schließbleche mindestens 3 Millimeter stark und 500 Millimeter lang, mit mindestens acht Schrauben befestigt.
- Bänder, die fest verankert sind und gegen Aushebeln gesichert.
- Zylinder und Schloss aus gehärtetem Material, mit Kernziehschutz, dazu ein Schutzbeschlag, der den Zylinder möglichst ganz abdeckt.
- Ein Weitwinkel-Türspion, damit Sie nicht öffnen müssen, um zu sehen, wer klingelt.
Für Wiener Altbauten interessant: Im Beratungstest des VKI empfahl kein Betrieb, den alten Türstock herauszureißen. Eine Stahlummantelung der bestehenden Zarge wurde als ausreichend bezeichnet, was Stemmarbeiten im Stiegenhaus erspart. Auffällig war dagegen, dass in Wien nur fünf der befragten Firmen die Wohnung vor dem Angebot besichtigten. Wer ohne Besichtigung anbietet, muss zumindest am Telefon nach Maueröffnung, Türstock und Anschlag fragen. Holen Sie mindestens drei Angebote ein.
Welcher Zylinder in die neue Tür gehört, erklärt der Überblick über Sicherheitsschlösser. Wer elektronisch aufsperren will, findet die Bauarten im Beitrag zum elektronischen Türschloss.
Zusatzschlösser im Test: zwei Systeme taugen, eines nicht
Wenn die Tür solide ist, muss es keine neue sein. Die Stiftung Warentest hat Türsicherungen geprüft, der VKI hat die Ergebnisse für 14 auch in Österreich erhältliche Modelle veröffentlicht: Querriegelschlösser, Vertikalstangenschlösser, Kastenzusatzschlösser und Bandsicherungen. Jede sollte drei Minuten gegen Schraubenzieher, Zange und Keile durchhalten. Acht der 14 waren rasch geknackt, meist in weniger als einer Minute.
Das Querriegelschloss sperrt die Tür über die ganze Breite und wird in Hüfthöhe montiert, weil Einbrecher dort die meiste Kraft aufbringen. Für eine solide einflügelige Wohnungstür reicht es laut VKI meist aus. Alle getesteten Modelle hatten eine Zylinderabdeckung.
Das Vertikalstangenschloss verriegelt die Tür von oben nach unten und ist bei zweiflügeligen Türen die erste Wahl, denn dort funktioniert ein Querriegel nicht. Es sichert aber nur die Schlossseite, die Bandseite braucht zusätzlich Bandsicherungen. Für die typische Wiener Doppelflügeltür im Gründerzeithaus ist das die passende Nachrüstung.
Das Kastenzusatzschloss - der klassische zweite Riegel auf der Schlossseite - fiel komplett durch. Bei allen vier Modellen ließ sich der Außenzylinder leicht herausziehen, und auch die Sperrbügel waren mit Werkzeug schnell ausgehebelt. Kein einziges erwies sich als einbruchhemmend.
| Türsicherung | Preise im Test | Ergebnis |
|---|---|---|
| Querriegelschloss | 260-689 € | drei von vier boten grundsätzlich guten Schutz |
| Vertikalstangenschloss | bestes Modell 598 € | nur eines von drei gut |
| Kastenzusatzschloss | 43-150 € | keines einbruchhemmend |
| Bandsicherung | 39-77 € | zwei von drei sehr gut |
Quelle: VKI-Test Türsicherungen 2016, Preise aus dem Testjahr.
Was eine Sicherheitstür kostet - und was Mieter zurückbekommen
Die jüngsten unabhängigen Vergleichswerte stammen vom VKI: 2013 lagen Angebote für eine Wohnungstür der Klasse 3 inklusive Montage zwischen 2.200 und 3.500 Euro, im Schnitt bei rund 2.500 Euro. 2016 nannte der VKI für eine einflügelige Sicherheitstür etwa 2.500 bis 3.500 Euro, für eine zweiflügelige rund 5.000 Euro. Rechnen Sie wegen der Teuerung seither mit höheren Preisen und vergleichen Sie mindestens drei schriftliche Angebote, die Klasse, Türblattstärke und Montage ausweisen.
Für Mieter im Altbau, wo das Mietrechtsgesetz voll gilt, ist der Betrag nicht zwingend verloren. Nach § 10 Mietrechtsgesetz können Hauptmieter beim Auszug Ersatz für wesentliche Verbesserungen verlangen, die über die Mietdauer hinaus von Nutzen sind. Ob eine Sicherheitstür dazu zählt, ist bei öffentlich geförderten Türen klar: Laut Mietervereinigung begründet die Förderung nach der Rechtsprechung die unwiderlegliche Vermutung einer wesentlichen Verbesserung. Ohne Förderung müssen Sie diesen Nutzen im Streitfall erst darlegen.
Wird der Anspruch anerkannt, sinkt er für ungeförderte Aufwendungen mit jedem vollendeten Jahr um ein Zwanzigstel. Eine Rechnung zur Orientierung:
- Sicherheitstür um 2.500 Euro, eingebaut im Jahr 2026
- Auszug nach acht vollen Jahren: 8 Zwanzigstel sind abgeschrieben
- Möglicher Ersatz: 2.500 Euro mal 12/20 = 1.500 Euro
Drei Bedingungen entscheiden, ob Sie diesen Betrag sehen. Erstens müssen Sie den Einbau vorher angezeigt haben, und die Vermieterseite darf ihre Zustimmung nicht berechtigt an die Wiederherstellung des alten Zustands geknüpft haben - sonst entfällt der Anspruch. Zweitens ist er schriftlich und mit Rechnungen anzumelden, bei eigener Kündigung spätestens 14 Tage nach deren Zustellung an die Vermieterseite. Drittens zählen nur Aufwendungen der letzten 20 Jahre. Heben Sie die Rechnung also so lange auf wie den Mietvertrag. Ob es für Ihre Tür aktuell eine Förderung gibt, klären Sie vor der Bestellung bei der Wohnbauförderung der Stadt Wien - davon hängt auch die spätere Abschreibung ab.
Wer zustimmen muss
Eine Sicherheitstür ist eine wesentliche Veränderung der Wohnung. Im Altbau zeigen Sie sie der Vermieterseite nach § 9 Mietrechtsgesetz schriftlich an. Lehnt sie nicht innerhalb von zwei Monaten ab, gilt die Zustimmung als erteilt. Die Mietervereinigung bewertet den Einbau einer Sicherheitstür als Maßnahme, die der Übung des Verkehrs entspricht und auch Nachmietern nützt - das spricht dafür, dass die Vermieterseite sie nicht ohne guten Grund ablehnen kann.
Im Gemeindebau ist der Weg festgelegt. Wiener Wohnen führt den Einbau einer einbruchhemmenden Wohnungseingangstür ausdrücklich unter den genehmigungspflichtigen Änderungen. Der Antrag läuft über das Kundenportal, und bei manchen Bewilligungen fällt ein Anerkennungszins an. Bestellen Sie die Tür erst, wenn die Genehmigung schriftlich vorliegt.
In der Eigentumswohnung klären Sie mit der Hausverwaltung, ob für die Außenseite der Tür einheitliche Vorgaben gelten - sie prägt das Stiegenhaus mit. In allen drei Fällen gilt: Klären Sie vorher, ob an der Tür Brandschutzanforderungen bestehen. Dann muss die neue Tür beides können.
Eine Sicherheitstür schützt nur versperrt
Die Widerstandsklasse gilt für die verriegelte und versperrte Tür. Wer die Wohnung nur zuzieht, verzichtet auf genau das, wofür die Tür geprüft wurde - und das kann auch bei der Versicherung teuer werden. Wie die Arbeiterkammer Oberösterreich zusammenfasst, gilt eine nur ins Schloss gefallene Tür nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs nicht als versperrt im Sinne der Versicherungsbedingungen.
Zwei Gewohnheiten gehören deshalb zur neuen Tür: Beim Verlassen der Wohnung immer absperren, auch für fünf Minuten zum Postkasten. Und den Zweitschlüssel nicht in der Nähe der Tür aufbewahren, weil die beste Tür nichts nützt, wenn der Schlüssel unter dem Fußabstreifer liegt.
Unabhängige Beratung ohne Verkaufsinteresse bietet die Kriminalprävention der Landespolizeidirektion Wien, erreichbar über die Polizei-Servicenummer 059 133. Wie Tür, Fenster und Verhalten zusammenspielen, zeigt der Beitrag zum Einbruchschutz in der Wohnung. Und wer nach einem Einbruch vor einer beschädigten Tür steht, findet die nächsten Schritte unter Nach einem Einbruch.